Geliebte Tiere?
Donnerstag, 29. April 2004Und hier ein mal ein ganz ernstes Thema. Öters gibt es bei Familien mit vielen Haustieren auch mal Differenzen. Oft kommt es vor, dass einer in der Partnerschaft nicht ein genauso großer Tiernarr wie der andere Part..
So ist es auch bei uns. Ich konnte nie was mit Tieren anfangen. Hatte nie selber welche und habe deshalb immer nur die Nachteile bei der Anschaffung gesehen: Dreck & Verantwortung. Nun hatte aber meine Geliebte bereits zwei Meerschweine. Draußen auf dem Balkon störten sie mich nicht und man muss zu unserer Schande gestehen, dass wir ihnen zu dem Zeitpunkt aus Unwissenheit und Faulheit zu wenig Aufmerksamkeit schenkten. Irgendwann kam der Moment, wo wir uns entscheiden mussten, ob wir Tiere ganz abschaffen oder Gesellschaft für die Königin holen, da sie aufgrund von Todesfällen ganz allein war. Keine Ahnung warum, vielleicht das schlechte gewissen, wie schlecht wir die alte Dame behandelt haben, aber es kam der Moment, wo sich alles schlagartig änderte. Meine Süße wollte jetzt alles ganz genau richtig machen (soweit so etwas nun mal möglich ist). Teilweise genervt von der vielen Aufmerksamkeit für die Tiere und dem großen Trubel um die beiden Nager, fand ich es aber sehr gut, dass sich jetzt mehr um die Tiere gekümmert wurde.
Die absolute Veränderung sollte kommen, als die anderen vier Pelznasen zu uns kamen. Lange wurde ich bearbeitet, lange war ich nicht begeistert, aber auch wenn es nicht so erscheint, die kleinen Biester können sich klammheimlich in das Herz schleichen! So kam es, dass ich vieles unterstützte und weitere Gesellschaft für die Nager anregte. Man muss aber sagen, dass ich auch die Maxime vertrete, keine Tiere in der Wohnung. Dreck kann auf dem Balkon sein, da ist es nicht soo schlimm, wenn man es nicht sofort sauber macht (, trotzdem aber störend).
Jetzt kamen Überlegungen auf, ein paar Vögel in Not bei uns aufzunehmen. Mir tun die Tiere selber schrecklich leid, aber ich kann mich mit dem Federgetier einfach nicht anfreunden. Sie müssten in der Wohnung sein (Erinnerung an die Maxime: KEINE TIERE IN DER WOHNUNG!), dauernd beaufsichtig werden, damit sie nicht alles zukoten oder anknabbern und das jeden Tag mehrere Stunden. Was ist schlimmer, Tiere in Not nicht aufzunehmen oder sie aufzunehmen und nichts besser zu machen als die Vorbesitzer? Für mich habe ich deshalb entschieden lieber für die Tiere ein gutes zuhause ausfindig zu machen, statt mich und die Tiere zu quälen. In meinen Augen falsche Tierliebe.
Aufgrund dieser Diskussion kam die Frage auf, was denn ich machen würde, wenn wir umziehen würden und keinen Balkon hätten (dabei mache ich mir schon die ganze zeit Gedanken, was mache ich, wenn die Hausfassade saniert werden sollte) oder eines der Tiere gebrechlich werden sollte. Ich weiß nicht was ich machen würde .. auf jeden Fall wäre ich nicht begeistert, aber ich würde einen Weg schon finden. Nur weil ich es nicht schön finde, wenn die Tiere in der Wohnung sind, heißt das noch lange nicht, dass ich sie nicht mag. So wie die Tiere ihr Revier brauchen, brauche ich meins. Ist es verwunderlich, dass ich zu erst innerlich blockiere? Ist irgendwas verwunderlich, wenn man bedenkt, dass ich immer gegen Tiere war und erst jetzt so langsam eine Wandlung vollzogen habe? Man kann sich nicht sofort um 180 Grad drehen.
Auch wenn die Tiere mir öfters Kummer machen, da ich es einfach noch nicht gewöhnt bin, und ich des Öfteren schlecht über sie rede, so liebe ich diese kleinen Biester doch, auch wenn vielleicht auf eine andere Art, als mein Weibchen. Liebe ist mannigfaltig in seinen Ausprägungen.
Und die Lektion des Ganzen ist: Es tut verdammt weh, zu hören, man würde nur Zuneigung heucheln und im Schmerz ist man oft sehr brutal zu den Geliebten. Fehlende Begeisterung ist Glückerweise nicht identisch mit fehlender Zuneigung!


Allein oder doch nicht allein, das ist hier die Frage


